Der deutsche Beteiligungsmarkt

Diverse Akteursgruppen sind auf dem bundesdeutschen Beteiligungsmarkt aktiv. Da diese zusätzlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten und auf divergenten Wegen in Unternehmen investieren, hat Carl für Sie eine Übersicht zu zentralen Akteuren und aktuellen Entwicklungen erstellt.

 

Während der Markt für Unternehmensbeteiligungen in Deutschland nach der Wiedervereinigung durch eine große Privatisierungswelle geprägt war, stehen aktuell überwiegend mittelständische Betriebe des verarbeitenden Gewerbes im Zentrum der Interessen vieler Investoren. Dies findet im folgenden Befund Ausdruck: 9 von 10 Unternehmen, die sich über den deutschen Beteiligungsmarkt mit Kapital versorgen, haben weniger als 500 Mitarbeiter beziehungsweise erwirtschaften weniger als 50€ Mio. Jahresumsatz. In einem zunehmend kompetitiven Markt für Beteiligungen führen dabei nur etwa 5-10% aller Transaktionsanfragen zu einem Abschluss. Und dies, obwohl in den vergangenen Jahrzehnten prinzipiell ausgereifte legislative Rahmenbedingungen für eine gute Marktentwicklung geschaffen wurden. Gründe für diesen hohen Anteil gescheiterter Transaktionen liegen beispielsweise in einer zunehmenden Intransparenz am Beteiligungsmarkt und einer stetig steigenden Zahl relevanter Akteure. Denn obwohl der Anteil inländischer Beteiligungsgesellschaften weiterhin 50% beträgt, drängen zunehmend europäische und internationale Finanzakteure auf den deutschen Beteiligungsmarkt – mit steigender Tendenz. In Bezug auf Private Equity Aktivitäten beispielsweise, hinken bundesdeutsche Entwicklungen dennoch seit Jahren hinter dem entsprechenden Pendant in Großbritannien und Frankreich hinterher.

 

Mit Blick auf verschiedene Marktsegmente machen aktuelle Entwicklungen eine differenzierte Betrachtung unabdingbar. Im Bereich Venture Capital konnte im Jahr 2016 laut BVK ein Wachstum um mehr als 10% auf 0,93€ Mrd. verzeichnet werden, welches vor allem durch eine gestiegene Zahl an later-stage Beteiligungen getragen wurde. Konträr dazu, wurden im Sektor der Minderheitsbeteiligungen (growth, replacement, turnaround) ungefähr 0,45€ Mrd. umgesetzt und das Volumen im Bereich buy-outs ging zurück auf 4.3€ Mrd. Dabei handelt es sich bei 80% aller Zielunternehmen um KMUs mit weniger als 100 Mitarbeiter. In Summe waren 2016 insgesamt mehr als 5000 Unternehmen auf dem deutschen Beteiligungsmarkt aktiv, wodurch mehr als 900.000 Arbeitsplätze indirekt berührt wurden. Aus regionaler Perspektive zeichnet sich dabei ein Bild, welches den weithin bekannten Wirtschaftszentren gleichkommt. Unternehmen in Bayer beispielsweise, sind für mehr als 20% aller Beteiligungen im vergangenen Jahr verantwortlich. Ein wesentlicher Einflussfaktor für zukünftige Entwicklungen auf dem deutschen Beteiligungsmarkt liegt in den politischen Rahmenbedingungen im In- sowie Ausland. Außerdem stellt die europäische Zinspolitik einen elementaren Rahmenparameter des Marktes dar. Generell werden aktuelle Bewertungen am Markt als mittel bis hoch eingestuft, was die Sensibilität bezüglich Veränderungen im direkten Marktumfeld prinzipiell erhöht.